Stadtbeete in ökonomischen Krisen

Seit Jahresbeginn sind jetzt dreieinhalb Monate vergangen. Wir haben bisher einen sehr warmen Winter erlebt und konnten weder nennenswerten Schnee noch starken Bodenfrost verzeichnen. Am 21. März ist der Winter dann auch vorbei und es wird Frühling. Daher bin ich dabei fast jedes Wochenende ein Hochbeet zu bauen und die benötigten Materialien heranzuschaffen. Aufgrund der Ausbreitung der Covid-19 Lungenerkrankung im Zusammenhang mit der weltweiten Verbreitung eines Corona Virus, sind wir in Berlin aktuell von Einschränkungen des öffentlichen Lebens betroffen. Eine Reihe von Ländern hat bereits Ausgangssperren verhängt und die Weltwirtschaft ist insgesamt massiv unter Druck geraten. Eine wirtschaftliche Rezession liegt unausweichlich vor uns und kann sich je nach Dauer der Einschränkungen zu einer Depression ausweiten. – Was hat das mit Stadtbeeten zu tun?

Karma Garten mit den ersten Stadtbeeten im Bau.

Kleingärten wurden am Anfang des 19. Jahrhunderts (in Berlin 1833) erstmalig als sogenannte „Armengärten“ von wohlmeinenden Landesherren angelegt und sollten die in den Städten angewachsene ärmliche Bevölkerung durch das Ziehen von eigenem Obst und Gemüse unterstützen1. Die Schrebergarten-Bewegung setzte neue Maßstäbe im Hinblick auf den Freizeit- und Erholungswert der Kleingärten, die ursprünglich zur Erholung von kränkelnden Kindern der Fabrikarbeiter als Spielflächen angelegt wurden. Erst nach dem Tod des Leipziger Orthopäden Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808–1861) wurden Schrebergartenvereine gegründet, die dann auch Beete zum Anbau von Obst und Gemüse anlegten und somit wieder eine Teilversorgung der städtischen Bevölkerung ermöglichten. In Berlin war die Entstehung der Kleingärten mit den sozialen Problemen der schnell wachsenden Metropole verbunden, die 1871 als Hauptstadt des Kaiserreiches eine Bevölkerungszahl von ca. 800.000 Menschen aufwies und rasant weiterwuchs2. Die sog. „Pflanzerbewegung“ begann Ende des 19. Jahrhunderts auf ungenutzten Restgrundstücken und Brachflächen kleine Gärten anzulegen (z.B. Schlächterwiesen, heute Gelände des Urbankrankenhauses in Kreuzberg) und sich dadurch mitten in der Stadt den Wunsch nach Selbstversorgung zu verwirklichen.

Dieser Wunsch ist auch heute wieder, ich behaupte, genauso stark vorhanden wie damals. Allerdings sind die Rahmenbedingungen stark verändert und die neue gärtnerische Bewegung, die das Ziel einer Teilversorgung durch eigenen Obst- und Gemüseanbau anstrebt, betitelt sich heute als „Urban Gardening“-Bewegung oder im Falle von größer angelegten Projekten ist auch die Bezeichnung „Urban Farming“ üblich. Eine Bezeichnung die mir persönlich am besten gefällt ist die „Urbane Agrikultur“, die sich dadurch auszeichnet, dass sie ein Sammelbegriff für die verschiedenen Ansätze der gärtnerischen, landwirtschaftlichen Projekte ist3. Das große Interesse an lokal produzierten Lebensmitteln und geschlossenen Stoffkreisläufen der Stadtbevölkerung ist mit der aktuellen Versorgung an kleingärtnerischen Angeboten nicht mehr zu befriedigen. Dies hat insbesondere auch damit zu tun, dass in den letzten Jahrzehnten Flächen aus der Nutzung als Kleingärten für andere Stadtentwicklungsprojekte umgewidmet wurden. Aber es hat auch mit dem Wunsch nach Freiheit, Gemeinsamkeit und exklusiver Lage zu tun. Mein Ziel mit Stadtbeete.de ist, die neue Urbane Agrikultur mit dem Bau von Beeten und durch die Bereitstellung von Pflanzfläche und guten Bodensubstraten zu unterstützen. Durch die Bereitstellung effizienter Böden im Stadtgebiet, können sich Menschen auch in der Stadt Teilversorgen und Ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten indem Transportwege vermieden werden und durch die Begrünung die Transpirationsleistungen der versiegelten Flächen reaktiviert werden. Eine grüne Stadt ist eine coole Stadt. Berlin war, ist und bleibt auch in Zukunft grün. Dafür werden wir sorgen.

Literatur

[1] Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Referat Freiraumplanung und Stadtgrün. „Das bunte Grün – Kleingärten in Berlin“ Broschüre herausgegeben von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin. Dezember 2012. Hier Abrufbar.
[2] Wikipedia
[3] A. Timpe et al. „Urbane Agrikultur. Neue Formen der Primärproduktion in der Stadt“ November 2011.