Regenerative Landwirtschaft in Hochbeeten?

Die Regenerative Landwirtschaft ist derzeit in vieler Munde und wird zunehmend populär. Dabei geht es häufig etwas unter, dass es sich bei vielen Konzepten zunächst mal um alte landwirtschaftliche Techniken handelt, die zum Teil in Vergessenheit geraten sind oder deren Tragweite erst unter heutigen Gesichtspunkten erkannt und neu entdeckt wird. Es handelt sich nicht um einen völlig neuen landwirtschaftlichen Trend, sondern um eine Kombination unterschiedlicher Techniken der Bodenbearbeitung, Pflege der Bodenorganismen und des mikrobiellen Bodenlebens sowie einer empirischen Herangehensweise an die Pflanzengemeinschaften und ihre Wechselwirkungen mit dem Boden und innerhalb der angebauten Fruchtfolgen und Untersaaten.

Zentrales Element aller unterschiedlichen Formen der regenerativen Landwirtschaft ist der Fokus auf den Bodenhumusaufbau durch einen möglichst permanent begrünten Acker bzw. eine von lebenden und Photosynthese betreibenden Pflanzen bewachsene Bodenoberfläche, die durch Bearbeitung so wenig wie möglich gestört wird.

Der ursprünglich aus der Übersetzung des englischen und vom Rodale Institute (nach dem Gründer J.I. Rodale) in den 1980-er Jahren verwendete Begriff „regenerative agriculture“1 lebte 2014 in einem Weißbuch mit dem Titel „Regenerative Organic Agriculture and Climate Change“2 wieder auf. In Deutschland wird der Begriff „Regenerative Landwirtschaft“ für unterschiedliche landwirtschaftliche Richtungen genutzt. Dazu gehören sowohl biointensive Anbaumethoden, wie z.B. das Market-Gardening Konzept, als auch Agroforstsysteme oder integrierte Weide-Management-Systeme, um nur ein paar der prominentesten Vertreter zu nennen.

Definition (in progress): Die regenerative Landwirtschaft umfasst Produktionssysteme, die ihre ökologischen, ökonomischen und sozialen Ressourcen und Funktionen beständig ausbauen. Dabei werden nicht-erneuerbare externe Stoff- und Energieflüsse zunehmend durch biologische Prozesse ersetzt.

Quelle: (folgt)

Friedrich Wenz und Dietmar Näser (Grüne Brücke – Büro für Regenerative Landwirtschaft) arbeiten verstärkt in eine Richtung, die neben dem Grundsatz des oben aufgeführten Bodenhumusaufbaues gewisse Techniken der Düngung, der Bodenbearbeitung und Sichtweisen auf das Bodenleben und die Pflanzengesellschaften umfasst. Die folgenden fünf Grundtechniken tauchen dabei immer wieder auf:

  1. Nährstoffe im Boden ins Gleichgewicht bringen und den Boden belebend düngen
  2. Unterboden lockern und mit Wurzeln stabilisieren
  3. Böden dauerhaft und vielfältig begrünen für die Vielfalt und Ernährung des Bodenlebens
  4. Lebenden Bewuchs in Flächenrotte bringen, Rotte fermentativ lenken, Wirtschaftsdünger beleben
  5. Kulturen durch stressvermeidende vitalisierende Behandlungen zur maximalen Photosyntheseleistung bringen.

Die Frage ist: Können wir das auch in Hochbeeten realisieren? – Grundsätzlich kann man sagen: Der Einsatz von Hochbeeten z.B. auf Industriebrachen ermöglicht auf einem sonst für das Bodenleben extremen oder schwer besiedelbaren Standort zu florieren. Die Befüllung der Hochbeete kann nach unterschiedlichen Konzepten erfolgen. Es kann z.B. eine organische Befüllung mit Strauchschnitt, Grassoden, Kompost und Gartenerde erfolgen oder, wenn man nicht jedes Jahr wieder neues Material auf das nachsackende Beet bringen möchte, kann man die Befüllung auch unten mit mineralischem Sand und oben mit guter Gartenerde durchführen. In jedem Falle können jedoch die Maßnahmen zur Bodenhumuspflege durch belebte Düngung, dauerhafte vielfältige vitale Begrünung und Durchwurzelung erfolgen. Fermentativ behandelte organische Wirtschaftsdünger sowie die fermentativ gelenkte Flächenrotte können hergestellt und angewandt werden. Insofern steht dem regenerativen Hochbeetgärtnern nichts im Wege. Interessant ist auch, dass die regenerative Landwirtschaft noch relativ am Anfang steht und die Begrünung von Städten darin einen besonderen Platz einnehmen kann. Wir machen uns auf den Weg und bringen Regenerative Urban Agriculture Projekte3 voran.