Kon-Tiki und der Stein der Weisen

Kon-Tiki assoziieren viele mit dem Floß aus Balsaholz, das Thor Heyerdahl baute, um 1947 im Selbstversuch zu beweisen, dass die Besiedlung Polynesiens durch die Bevölkerung Südamerikas mit den Mitteln der präkolumbianischen Zeit möglich war1. Eine gleichnamige und ebenso bahnbrechende Idee, ist eine vom Ithaka Institut, ein internationales Open Source Netzwerk für Klimafarming und Kohlenstoff-Strategien, entwickelte Feueranordnung zur Herstellung von sauberer Pflanzenkohle2. Namensgeber war in beiden Fällen Qun Tiksi Wiraqucha, der Schöpfergott aus der Inka-Mythologie, der aus dem Osten kommend, Kon-Tiki, die Zivilisation der Inka, begründete und weiter gen Westen segelte1.

Am Ithaka Institut wird seit 2007 systematisch an der Nutzbarmachung von Pflanzenkohlen für die landwirtschaftliche Anwendung auf Basis der Erkenntnisse über die Terra Preta Technologie gearbeitet. Terra Preta ist eine durch Menschen geschaffene Bodenform, die erstmals in Südamerika entdeckt und als „Terra Preta de Indio“ beschrieben wurde. Wesentliches Merkmal ist die hohe Bodenfruchtbarkeit, die nach aktuellen Erkenntnissen im Amazonasbecken die Nahrungsmittelgrundlage für mehrere Millionen Menschen gewesen ist.

Die Pflanzenkohle wirkt im Zusammenhang mit den Bodenprozessen wie ein über lange Zeit stabiler Kohlenschwamm. Dieser kann Wasser, Nährstoffe und alles was an die unbeladene Kohle herangetragen wird, speichern. Aufgrund der aktiv absorbierenden Wirkung und einer langsamen Desorption z.B. durch mikrobiellen Abbau, können Nährstoffe langfristig Pflanzenverfügbar gemacht werden. Daher eignet sich eine nährstoffbeladene Kohle ideal als Bodenverbesserer, der insbesondere für schwierige Bodenbedingungen geeignet ist.

Neben den rein pflanzenbaulichen Aspekten ist die in den Boden eingebrachte Pflanzenkohle ein langzeitstabiler Kohlenstoffspeicher, der rein pflanzlich sequestriertes CO2 enthält und daher eine maximal positive Ökobilanz aufweist. Häufig angeführte Befürchtungen einer Schadstoffbelastung der Kohle können durch die richtige Prozessführung bei der Kohleherstellung entkräftet werden. Dazu wurde seit dem Jahr 2010 auch unter Federführung des Ithaka Institutes ein freiwilliger Industriestandard für die Herstellung von Pflanzenkohlen erstellt, der anerkannt und durch das European Biochar Certificate (EBC) auch zertifizierungsfähig ist3.

Die für jedermann verfügbare Technologie der Pflanzenkohleerzeugung im Kon-Tiki ist im Zusammenhang mit der richtigen Applikationsweise (z.B. Wurzelapplikation) eine insbesondere für Kleingärtner und kleinbäuerliche Landwirtschaft interessante Anwendung. Die in den Boden eingebrachte Pflanzenkohle muss mit stickstoffhaltigem Dung, Urin oder Kompost vermengt werden, um einen förderlichen Beitrag für die Belebung des Bodens und der Pflanzen zu leisten.

Auch in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft wird der Kohlenstoff als Träger und Gerüst aller Gestaltungsprozesse im natürlichen Haushalt angesehen. Seiner vielfältigen Beteiligung an Gestaltbildungen und seinen unterschiedlichen Eigenformen verdankt er auch die Bezeichnung als „Stein der Weisen“ [1].

Literatur:

[1] Rudolf Steiner. 1924. Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus.